Deutsches Abschneiden bei der EM zur Debatte

      Tja... :D

      realistisch betrachtet hat eigentlich alles dagegen gesprochen. Aber irgendwas in mir hat sich gestreubt gegen Deutschland zu tippen. Irgendwie hat man ihnen den abermaligen totalen Umwschwung auch wieder zugetraut.

      Etwas überrascht bin ich natürlich trotzdem. Deutschalnd ist ein echtes Chameleon bei dieser EM! Und Schweini nimmt sich meinen Vorschlag zu herzen, EM-Torschützenkönig und MVP des Turniers zu werden, um mich als Miesmacher zu enttarnen. Weiter so!

      Beide möglichen Halbfinalpartien, gg Kroatien oder gg die Türkei, hätten ihren Reiz. Gegen Kroatien hätte man psychisch genau wie gegen Portugal prima den Rücken frei, weil gerade erst gegen sie verloren wurde. Gegen die Türken wärs natürlich der Oberhammer und in ganz Deutschland wär die Hölle los. Das Spiel hätte allerdings ähnlich heiklen Charakter wie das gegen Österreich und uns're Junkens müssten dann doch nochmal etwas mehr psychische Standfestigkeit beweisen als bisher. Aber zuzutrauen ist ihnen ja jetzt endgültig alles!
      Beeindruckend fand ich das teilweise wirklich schnelle Spiel mit zumeist sicheren Pässen, wo wir doch zuvor Unmengen an Fehlpässen spielten.

      Also gegen die Türkei würde das natürlich jede Menge Brisanz mit sich bringen.... da würden weite Teile des Ruhpotts brennen *g*

      Hoffentlich war diese Spiel keine Eintagsfliege... anbei, der Rolfes hat echt ein gutes Spiel gemacht. Dafür das ich den eigentlich nicht mitgenommen hätte *g*
      Ich hab ja ehrlich gesagt ziemlich Bammel vor der Türkei.

      Wenn ich heuer so die Berichterstattung übers deutsche Team geshen hab, kommt mir das alles ein Spur zu euphorisch u. gelöst vor. Wichtiger aber Einschätzungen der Spieler zum Halbfinale: Lauter "Das müssen wir schaffen" und "wenn wir normal spielen klappts" oder ähnliches. Das find ich alamierend. Die Türkei ist zwar auch ziemlich duselig durchs Turnier gekommen und unser Spiel gegen Portugal war sicher um Längen besser, als das was die Türkei bislang gezeigt hat. Nichtsdestotrotz sollte man sich klar darüber sein, dass Griechenland 2004 genauso und gerade wegen solcher Einschätzungen seitens der Gegner Europameister geworden ist.

      Eine richtige Einschätzung unserer Jungs des Türkei-Spiels sollte eher so lauten:
      "Das wird ein absolut heißer Tanz! Die Türken sind zu allem bereit und gerade gegen uns noch motivierter als sowieso schon. Es ist eine absolut gefährliche Situation. Wir wissen wo sie ihre Schwächen haben, aber man darf sie auf keinen Fall unterschätzen. Es wird unser wichtigstes Spiel seit der WM und deshalb werden wir von der ersten Minute an alles geben. Nur so kann man diesen Türken beikommen."

      Dieses pseudo-selbstsichere Gelaber von unserer Überlegenheit, wahrscheinlich einhergehend mit voreiligen Gedanken ans Finale (der Begriff viel von Löw selbst schon), spielt alles nur den Türken zu.
      Man sollte nicht vergessen, dass eine Favoritenrolle bei diesem Turnier allgemein, und bei Deutschalnd im speziellen, nicht so recht verheissungsvoll ist. Gegen Turkye wirds ähnlich heikel wie gegen Österreich, und es ist widerum das erste Spiel nach einer guten Leistung inkl. Selbstüberhöhung und Titelträumereien, wie gegen Kroatien.

      Deutschalnd will einem in der Öffentlichkeitsarbeit irgendwie ständig was vormachen. Wie erleichternd die Niederländer nach ihrer Niederlage sagen zu hören: "Wir haben scheiße gespielt. K.A. worans lag, aber Russland ist absolut verdient weitergekommen." Man stelle sich nur Herrn Lahm in derselben Situation vor: "Man darf jetzt nicht alles schlecht machen. Wir haben auch schon so viele gute spiele gemacht und heut' war's ja eigentlich auch ganz knapp." X(
      Diese Sorgen mag ich ebenfalls teilen. Bisher wird der Gegner sicher unterschätzt, was sich hoffentlich nicht als kapitaler Fehler herausstellen wird.

      Aber ein Weiterkommen sollte uns dennoch zur Pflicht werden, zumindest wenn wir vollmundig von der Europameisterschaft sprechen. Wenn wir die wirklich gewinnen wollen, müssen wir ohnehin jeden schlagen...

      Finale Italein: Deutschland 2:1 ... *g*
      Nachtrag: Bierhoff hat sich mittlerweile erheblich vorsichtiger zum Türkei-Spiel geäußert. Metzelder hat in einem Interview auch einen ganz vernünftige Einstellung gezeigt. Anscheinend ist der erste Überschwang verflogen. Jetzt stimmen sie mich schon zuversichtlicher.

      Allerdings war ich auch vorm Kroatien-Spiel zuversichtlich. Beim DfB-Team kann man sich aber auch nie sicher sein!
      Zunächst mal mein zunächst zurückgehaltener Kommentar zum Halbfinale, den ich dann auch noch versehentlich in den falschen EM-Thread gesetzt hab:

      Ich hatte hier erst nix zum Spiel geschrieben, weil ich stocksauer war und dieses ewige 'und täglich grüßt das Murmeltier' auch irgendwie Leid bin.

      Über diesen Sieg gg die Türkei konnte ich mich ehrlich gesagt gar nicht so recht freuen. Zu groß war die Enttäuschung und die Wut darüber, wie die Holzköpfe da wieder aufm Platz gestanden sind! Für mich lag die Gefahr, dass das Türkeispiel so aussehen wird, von Anfang an auf der Hand. Da ich nicht gerade nah am Geschehen bin bzw. jemals Informationen aus erster Hand erhalten hätte, sollte man also davon ausgehen können, dass diese Gefahr ziemlich offensichtlich war.
      Die Gefahr um die es geht beziffert sich wie folgt: Türkei spielt entfesselt und hochmotiviert auf, Deutschland hat Bammel - weil Favorit - und dem nix entgegenzusetzen.
      Am Aufspielen der Türkei konnte man nix ändern, also hätte man zusehen müssen, den eigenen Bammel in den Griff zu kriegen. Die deutsche Propaganda-Maschine suggerierte nach anfänglicher Unvorsichtigkeit auch folgerichtig das Bild, der nüchternen, realistischen und selbstbewussten Sicht der Dinge. Ab der 1. Minute war jedoch klar, dass sie nicht nur der Öffentlichkeit einen vor machen, sondern anscheinend auch sich selbst! Wie eine Schülermannschaft war man mit dem türkischen Elan total überfordert - ALS HÄTTE MAN IHN NICHT ERWARTEN KÖNNEN - und selbst war man total verunsichert - ALS HÄTTE MAN SICH VORHER NICHT EINE SEKUNDE WIRKLICH MIT DER ZU ERWARTENDEN SITUATION AUSEINANDERGESETZT.
      Eine wirkliche Auseinandersetzung fand nicht statt, stattdessen wurden alle Probleme beiseite geredet und auf die eigene Stärke verwiesen. Sowas ist legitim als Pressestrategie, um sich die Medien vom Leib zu halten. Aber das deutsche Team lügt sich offenbar selbst in die Tasche!

      Das ist sowas von unprofessionell! Am Ende hatte man gehörigen Dusel. Allerdings muss man dem Team zwei Dinge zu Gute halten:
      1. Auch in desolater Verfassung können sie auf den Punkt genau ihre Lethargie plötzlich durchbrechen und gefährliche Aktionen starten. So bei den Toren eins und drei. Das zweite war eine unmotivierte Flanke aus dem Halbfeld und ein dicker Torwartfehler. In diesen zwei Aktionen flakkerte auf, das sie tatsächlich das potentiell stärkere Team sind als die Türken. Mit professionellerer Vorbereitung hätte man es auch über größere Teile der Spielzeit auf den Platz bringen können.
      2. In Hinblick aufs Finale: Die Einstellungsprobleme der deutschen Mannschaft werden ja anscheinend umschifft, wenns gegen stärkere Mannschaften geht. Insofern bin ich nichtsdestotrotz immer noch ziemlich zuversichtlich, dass das gegen Spanien klappen wird. Nur verdient hätens sie es eigentlich nicht! Soviel ist sicher.

      Aber das ist ja bislang meist das markante an den Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft gewesen: Schöner oder besser waren meist andere, aber am Ende gewinnen halt die Deutschen. :D


      ----------------------------------------------------------------------
      Soweit meine Meinung vorm Finale.
      Doch selbst dieses bescheidene Vertrauen in die DfB-Elf wurde maßlos enttäuscht. Das schlechteste Spiel der EM und ich würde mal sagen: Die schlechteste Leistung eines Endspielteilnehmers bei EM oder WM ever!!!

      Die hätten es sowas von nie und nimmer verdient gehabt. Sowas von dilletantisch! Mit Horrorleistungen in 4 von 6 EM-Spielen. Dazu brauch man nun wirklich nix mehr sagen.

      Was mich beschäftigt ist die öffentliche Reaktion. Während Deutschland vor einigen Jahren noch als fußballerische Miesepeternation gelten durfte, werden sich jetzt - nach selbst beschlossener Holocaust-Bewältigung und Nationalpathos-Relaunch - kollektiv die Eier geschaukelt.

      Für mich ist das deutsche Auftreten bei der EM, vor allem das in Halbfinale und Finale, einfach nur unverständlich und ein Offenbarungseid vor dem Herren. Die Medien hierzulande beschwören aber im kollektiven Einklang den Zusammenhalt auch in schwerer Stunde. Schlagzeilenbeispiele: "Trotzdem Danke - Deutschland mag auch zweite Sieger", "Wir sind trotzdem stolz auf euch", "Kopf hoch Jungs, Spanien war wirklich besser". Selbst Chefnörgler Günther Netzer reihte sich in den völkischen Zusammenhalt ein und hütete sich vor jedweder Häme, die ihn sonst so auszeichnet und die diesmal angebrachter gewesen wäre als je zuvor. Stattdessen fühlte auch er sich genötigt, dem deutschen Team nach dieser unterirdischen Leistung erstmal vorweg seinen Respekt auszusprechen. Ein unumstößliches Zeichen dafür, wie sehr vor allem der Nationalmannschaftsfußball mittlerweile in den Dienst der Staatsräson gestellt wird. Es geht hier offensichtlich nicht mehr um Fußball, sondern um nationalen Zusammenhalt. Wer ausscheert muss fürchten nicht mehr länger dazugehören zu dürfen, mit der Option gelyncht zu werden. Deshalb darf Deutschlands Fußballfan Nr. 1 Angie ja auch kein Spiel verpassen.

      Ich freue mich wenn Deutschland gut spielt, wie unter Klinsmann bei der WM 2006. Das fand ich aus deutscher Sicht ein rundum gelungenes Turnier. Die EM 2008 war dagegen großer Mist, obwohl man auf dem Papier besser abgeschnitten hat. Deutschland ist wieder bei allergröbsten Rumpelfußball und einer fest verwurzelten Profilneurose angekommen. Als hätte es Klinsmann nie gegeben.

      Löw finde ich grundsympathisch und halte ihn auch für sehr kompetent. In der Führung des Teams durch ein großes Turnier hat er aber kläglich versagt. Und zwar weil er dem Druck offenbar selber nicht gewachsen war. Das hat sich schon im Vorfeld beim Eiertanz mit Lehmann und Metzelder, sowie bei der sinnfreien Nominierung Odonkors und Trochowskis gezeigt. Das hat sich 1:1 auf das Selbstvertrauen des Teams niedergeschlagen, wie es grausiger Weise Mal für Mal offensichtlicher wurde.

      Wenn Lehmann jetzt tatsächlich nicht aus der Nationalmannchaft zurücktritt und Löw ihn tatsächlich weiterhin als Nr. 1 aufstellt, werde ich allen Stärken, die Löw ohne Zweifel besitzt, zum Trotz, offener "Löw raus"-Forderer. Ansonsten hat er noch eine Chance verdient, unter dem Vorbehalt, dass er die Sache jetzt dauerhaft mutiger angeht.
      was hatte ich gestern zur freundin gesagt?

      deutschlands problem ist, das man immer auf "alte stars" pocht. im sinne "wer in den zeitungen steht ist gut".

      anstatt einfach echte stars zu nehmen, welche vllt gar nicht im blickfeld der medien stehen und dennoch ihr spiel spielen.

      viele "altstars" aus den 80ern waren vor ihrem debuet der nationalteams eher "mittelmaessig".
      dort konnten sie auftrumpfen da ihr alltag nicht bedeutete "superstar".
      zb klinsmann, der baecker... da der name schon genannt wurde.

      was fuer eine ausbildung haben denn heute die meisten spieler? keine? richtig.
      ausnahmen wie klose (zimmermann) mag es ja geben... aber zu jesus (*ding* logikwitz) wird man deshalb ja noch immer nicht.
      obwohl der ja schon zu den besten im turnier zaehlt.

      um es allgemein zu halten:
      Fussballprofis mit dem Beruf (erlernt): Fusballer... das sind medienfiguren.
      mag ja sein das sie manchmal auch echt gut sind, aber das problem herrscht nun mal vor das sie nie ernsthaft haben arbeiten muessen, um etwas zu lernen was wichtig ist: flexibilitaet.